Impressionen von Klaus Wanger - Reise März 2020

 

Corona verändert auch Nepal

Touristen reisten überstürzt ab, nachdem abzusehen war, dass auch der Flugverkehr eingestellt werden würde. Das öffentliche Leben kam vollständig zum Erliegen. Das verarmte Himalaja-Land stürzt nach dem verheerenden Erdbeben von 2015 mit der globalen Corona-Krise in eine neuerliche, auch wirtschaftliche Katastrophe. Der Tourismus, als eine der wichtigsten Einnahmequellen, liegt darnieder. Manfred Losert, Vorstand der Nepalhilfe i.k.Rahmen,  traf frühzeitig die richtige Entscheidung und reiste  gar nicht erst aus Deutschland an. Ich selbst befand mich bereits im Land. Es war geplant, ihn für eine weitere Filmdokumentation, fünf Jahre nach dem Erdbeben, zu den Projekten der Nepalhilfe zu begleiten.


Zusammen mit Gokarma Guni, einem der  örtlichen Projektmanager der Nepalhilfe, besuchte ich das Bergdorf Mukhiya Gaun unweit der Khumbeswori-Schule, die von der Nepalhilfe betreut wird. Hier wurden zehn erdbebensichere Häuser mit je drei einfach möblierten Zimmern, Bad und einer Küche gebaut. Eine für nepalesische Häuser traditionell übliche Eingangsveranda sorgt, besonders während der Monsunzeit, für einen trockenen Aufenthaltsbereich im Freien. Für die, von der Naturkatastrophe schwer getroffenen Familien, scheint es dank der Nepalhilfe wie ein Geschenk des Himmels zu sein, wieder ein solides Dach über dem Kopf zu haben. Glückliche Gesichter der Bewohner zeugen davon.


Mit unserem Allradfahrzeug erreichten wir auf staubiger, ausgewaschener Straße den Sunkhani Health Post, eine von der Nepalhilfe gebaute, ambulante Krankenstation. Hier können einfachere medizinischen Behandlungen und die überaus wichtige Gesundheitsvorsorge von einer Krankenschwester geleistet werden. Eine junge Mutter sitzt mit ihrem Kleinkind im Wartebereich, während eine Seniorin in einem der drei Behandlungsräume Puls und Blutdruck gemessen bekommt. Für die Menschen der weiten Umgebung ist es ein Segen, hier Hilfe zu bekommen und nur bei notwendiger ärztlicher Behandlung den beschwerlichen Weg nach Kathmandu auf sich nehmen zu müssen. Zufrieden mit ihren Werten verlässt die alte Frau freundlich grüßend die Station.
Kurz ist der Weg von hier zur Kumveshwori-Schule. Die Schüler brüten über den vorgezogenen Abschlussprüfungen, bevor auch sie nach Hause geschickt werden. Alle von der Nepalhilfe gebauten Klassenräume wurden durch das Erdbeben zerstört. Ein großes Gebäude für zwölf Klassen wurde von japanischen Organisation gebaut. Es ist Mittagszeit und die Schüler strömten eilig aus ihren Klassen zur Küche hin. Wie jeden Tag gibt es ein von der Nepalhilfe dauerhaft finanziertes, gesundes Mittagsmahl. Heute werden Hühnerfleisch, Reis, Gemüse und Obst serviert. Wir filmen. Die Schüler singen und tanzen zum Abschied das traditionelle Volkslied “Resham Fifiri”. Was für eine schöne Geste!


Unser nächstes Ziel ist die Gramindevi-Schule. Alle Gebäude wurden nach dem Erdbeben von der Nepalhilfe wieder aufgebaut und Ende 2017 eingeweiht. Auch hier werden die Schüler täglich mit einem vollwertigen Mittagessen versorgt. Wir sind allerdings zu spät dran. Der Unterricht ist bereits zu Ende. Jedoch zeigt uns der Schuleiter begeistert die frisch renovierte Toilettenanlage. Er äußert sich  froh und erfreut, dass der Hygienestandart für die Schulgemeinschaft eine so gute Verbesserung erfuhr.

Voller guter Eindrücke und gut durchgeschüttelt von der langen Fahrt  sind wir wieder in Kathmandu.


Auf der heutigen Tagesreise begleiten uns Alex, Tom und Peter aus Nürnberg, die sich für die Projekte der Nepalhilfe interessieren. Alex und Tom wird dankenswerterweise in den Tagen darauf auch noch die neue Abrechnungssoftware auf dem Rechner im Büro der Nepalhilfe in Kathmandu installieren.
Fahrtziel ist der Bezirk Chaturale zur dortigen Brahamayani Schule, die das Erdbeben nahezu schadlos überstand. Die schon in die Jahre gekommene Anlage, bedurfte jedoch einer Sanierung. Die Nepalhilfe baute kürzlich eine neue Küche und einen Speiseraum. Dächer, alle Türen, die elektrische Anlage einschließlich Ventilatoren in jedem Raum und neue Toiletten/Waschräume waren ebenfalls Bestandteil der Grundrenovierung. Die Putz- und Fliesenarbeiten  sind noch im Gange. Um die Gebäude vor dem Abrutschen zu bewahren, musste mit großem finanziellem Aufwand eine Hangsicherung mit riesigen Steinblöcken errichtet werden. So entstand auch ein ebener Platz für die Kinder, um darauf in den Pausen zu spielen.

Die Zaunpfosten sind einbetoniert und demnächst wird der Maschendraht angebracht.

 

Ein aufwändiges Entwässerungssystem mit Rinnen und Rohren wurde fertiggestellt, um Regen als Brauchwasser zu sammeln. Ein zusätzliches Klassengebäude mit zwei Stockwerken wurde nach dem Erdbeben von der Regierung gebaut. Ein längeres Gespräch mit dem Vorstand der Schulgemeinde zeigt die Misere im Bildungswesen Nepals.  Die Schulen verfügen nicht über genügend Lehrer, die vom Staat finanziert werden. Zusätzliche Lehrkräfte werden deshalb von den Gemeinden beschäftigt und auch bezahlt. Das erforderliche Geld wird bei Familien  und auf jährlichen Festveranstaltungen gesammelt. Die Nepalhilfe beteiligt sich auch am Gehalt des Computerfachlehrers.


Nachmittags geht es weiter zur Arunodays Schule. Seit dem Oktober 2017 werden die Schüler in den neuen Klassenräumen unterrichtet. Die Nepalhilfe renovierte vor kurzem die Koch-, Lager- und Essräume. Eine Hangsicherung war ebenso dringend  nötig. Neue, getrennte  Toiletten für Mädchen und Buben wurden gebaut. Aus Trümmern auferstanden, zeigt sich die Schule mit seinen leuchtend roten Dächern in bestem Zustand. Wer sich nochmals vergegenwärtigen möchte, wie schwer diese Schule vom Erdbeben zerstört war, kann dies in meiner Dokumentation: „Erdbeben Nepal 2015“.

 

Aufgrund der sehr angespannten Lage wegen des Corona-Virus, schien es nicht mehr  ratsam weitere Projektbesuche zu planen. Ein alternativloser, frühzeitiger Heimflug beendete auch meinen Aufenthalt.
In Gedanken behalte ich die herzliche Gastfreundschaft der von der Nepalhilfe unterstützten Menschen. Mit eigenen Augen immer wieder zu sehen, wie zielgenau und menschlich die Hilfe ankommt, tut gut.
Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeitern der Nepalhilfe vor Ort, insbesondere „Goku“ für die Reiseorganisation und Mithilfe bei den Filmarbeiten, die wir hoffentlich eines Tages fortsetzen können.

Zunehmende Armut wird auch eine Folge der aktuellen Situation sein. Mehr denn je ist es weiterhin nötig, betroffenen Kindern unter die Arme zu greifen. Bildungsmöglichkeit, Gesundheitsvorsorge, sauberes Trinkwasser und eine gute Mittagsverpflegung an den Schulen stehen dabei im Vordergrund.

Kinder befinden sich in größter Not, wenn ihre grundlegenden Bedürfnisse nicht erfüllt werden!

Zahlreichen Unterstützern der „Nepalhilfe im kleinen Rahmen“ sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Sie sorgen dafür, denjenigen weiterhin tatkräftig beizustehen, die dazu selbst nicht in der Lage sind. ღ

Text: Klaus Wanger, 2020

 

Fotos: Klaus Wanger

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Nepalhilfe im kleinen Rahmen e.V. - 2020